Perfekte Noten dank KI: ein Wake-up-Call für die betriebs­wirtschaft­liche Ausbildung

Was bedeutet es noch, zu studieren, wenn künstliche Intelligenz (KI) mühelos perfekte Bestnoten ermöglicht? Diese Frage steht im Zentrum eines aktuellen Gastbeitrags von Prof. Dr. Marcel Olbert und Prof. Dr. Christoph Spengel, Professoren für betriebs­wirtschaft­liche Steuerlehre an der Mannheimer BWL, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ihr Ausgangspunkt ist eine vielsagende Anekdote: Eine Studentin erzielte eine glänzende 1,0 in Rechnungs­wesen, vollständig vorbereitet mit KI-Tools, die Zusammenfassungen, Übungs­aufgaben und Podcasts generierten. Sie besuchte keine einzige Vorlesung vor Ort. Olbert und Spengel verwenden dieses Beispiel, um zu zeigen, was der Aufstieg der KI für die Zukunft der Lehre und Forschung in der BWL bedeutet.

Wie KI Studium und Praxis prägt

Die Dringlichkeit dieser Frage ist groß. Allein in Deutschland studieren rund 230.000 junge Menschen BWL. Was sie lernen, prägt die Entscheidungen von Führungs­kräften, Investor*innen und politischen Entscheidungs­träger*innen. In diesem Zusammenhang ist KI nicht mehr nur ein einzelnes Werkzeug zur Unter­stützung des Lernens, sondern hat sich zu einer umfassenden kognitiven Infrastruktur entwickelt, die den Kern von Lehre und Forschung unmittelbar beeinflusst.

Die Schlussfolgerung von Olbert und Spengel ist klar: Weitermachen wie bisher ist keine Option. Traditionelle Prüfungs­formen verlieren an Bedeutung, weshalb Universitäten immer häufiger mit neuen Formaten experimentieren, die auf mehr Interaktion ausgerichtet sind und Raum für den durchdachten Einsatz von KI bieten. Der Fokus verlagert sich dabei von der Wissensreproduktion hin zur Entwicklung analytischer Fähigkeiten und Urteilsvermögen.

Wo der Mensch unersetzlich bleibt

Warum das so wichtig ist, zeigt sich besonders in der Praxis. In vielen Situationen bleibt das menschliche Urteilsvermögen unverzichtbar, insbesondere in Situationen, in denen nicht alle Informationen vollständig verfügbar oder modellierbar sind. Beispiele sind strategische Entscheidungs­findung, Verhandlungen oder der Umgang mit Aufsichtsbehörden. Fähigkeiten wie Analyse, Abwägung und Verantwortungs­übernahme sind hier entscheidend. Indem die Ausbildung darauf eingeht, liegt hier der bleibende Wert eines betriebs­wirtschaft­lichen Studiums.

Die Zukunft des BWL-Studiums

Zurück zur Studentin mit ihrer perfekten 1,0. Ihre Leistung zeigt, was KI leisten kann, aber auch, wo sich die Ausbildung ändern muss. Universitäten sind nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Räume für Orientierung, Austausch und persönliche Entwicklung. Studierende wollen lernen, welche Er­kenntnisse zuverlässig sind, wann Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann und wo menschliches Urteilsvermögen entscheidend bleibt. Darin liegt laut Olbert und Spengel die Zukunft der Betriebs­wirtschafts­lehre: nicht im Wettbewerb mit KI, sondern in der bewussten und verantwortungs­vollen Gestaltung ihres Einsatzes.

Neugierig auf ihre vollständige Analyse und ihre Empfehlungen? Lesen Sie den Gastbeitrag von Olbert und Spengel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung(mit Paywall*).

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