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Vortragsreihe: Business Research 2020

Einblicke von Professorinnen und Professoren der Fakultät BWL

Im Herbst-Wintersemester 2020 laden wir alle interessierten Studierenden zu unserer Vortragsreihe „Business Research 2020“ ein. In dieser sechsteiligen Vortragsreihe stellen Professorinnen und Professoren der Fakultät BWL ihre Forschung zu aktuellen Themen wie der Wirecard-Skandal, Cum/ex-Geschäfte oder die Geschlechterkluft in der Finanzindustrie vor. Erfahren Sie mehr über aktuelle Forschungs­ergebnisse und wie die Ergebnisse z.B. von politischen Entscheidungs­trägern genutzt werden. Die Vorträge finden online statt.

Terminübersicht

„Von der Postkutsche zur Machine-To-Machine Kommunikation“ von Prof. Dr. Becker (auf Deutsch)

21.10.2020, 19 - 20 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung

Die Kommunikation - nicht nur im Internet - hat sich in den letzten Jahren fundamental geändert. Haben zunächst Menschen die Infrastruktur genutzt um miteinander zu kommunizieren, treten zunehmend Maschinen an ihre Stelle. Beim „Surfen“ im WWW interagieren wir bereits mit Maschinen. Chat-Bots spielen uns menschliche Kommunikations­partner vor und im Internet der Dinge reden auf einmal die „Dinge“ miteinander. In diesem Vortrag wird ein kurzer Überblick über die Kommunikation im heutigen Internet und einigen technologischen Trends gegeben. Abschließend ist die Möglichkeit zur Diskussion gegeben. 

„Kann man Ethik beibringen? Evidenz von Finanzberater Prüfungen und Verfehlungen“ von Prof. Dr. Vetter (auf Englisch)

04.11.2020, 17:30 - 18:30 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung

Als Antwort auf Finanzkrisen und Unternehmens­skandale rufen Regulierungs­behörden und Presse oft dazu auf, das Verhalten von Markt­teilnehmern durch ethisches Training zu reformieren. Diese Stimmen argumentieren, ein solches Training würde ein „besseres Betragen“ von Markt­teilnehmern hervorbringen und dadurch das Vertrauen in die Finanzmärkte fördern. Eine wichtige Frage jedoch bleibt bestehen: Kann Ethik überhaupt beigebracht werden? In diesem Vortrag gehen wir diese Frage, die bis zu Sokrates zurückreicht, empirisch an, indem wir arglistiges Verhalten von über einer Million US-amerikanischer Finanzberater untersuchen. Konkret vergleichen wir betrügerisches Verhalten von Finanzberatern, die ein extensives ethisches Training erhalten haben, mit dem von Finanzberatern ohne ein solches Training. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Finanzberatern mit extensivem ethischen Training die Wahrscheinlichkeit geringer ist, betrügerischen Aktivitäten nachzugehen.

„Fearless girls? Gründe für den geringen Anteil von Frauen in der Finanzindustrie“ von Prof. Dr. Niessen-Ruenzi (auf Englisch)

11.11.2020, 17:30 - 18:30 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung

Auch wenn der Anteil von Frauen in Führungs­positionen gestiegen ist, gibt es immer noch sehr wenige Frauen in der Finanzindustrie. Dieser Vortrag befasst sich mit den Gründen für die Geschlechterkluft in der Finanzindustrie. Basierend auf einer Umfrage unter Wirtschafts­studierenden in Deutschland und der Schweiz untersuchen wir, welche Berufsmerkmale sie für wichtig erachten, welche Art von Karriere sie planen, ob und in welchem Umfang sie Finanzkurse besucht haben und auch, wie finanzielle Entscheidungen von ihren Eltern getroffen wurden. Wir stellen fest, dass weibliche Studierende andere Präferenzen bezüglich ihres zukünftigen Arbeits­umfeldes haben als männliche Studierende und dass dies zumindest teilweise erklären kann, warum die Finanzindustrie nach wie vor männlich dominiert ist.

„Show me the Stars: How important are online ratings of reviewers?“ von Prof. Kraus und Maximilian Gärth (auf Englisch)

17.11.2020, 19:30 - 20:30 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung

Stellen Sie sich vor, Sie organisieren eine Party und sind auf der Suche nach einem wohlschmeckenden Wein. Während Rezensent A den einen Wein empfiehlt, empfiehlt Rezensent B einen anderen. Würde Ihnen ein Blick auf vergangene Bewertungen beider Rezensenten (von Weinen oder sogar von ganz anderen Produkten) bei der Entscheidung helfen, wem Sie Glauben schenken und infolgedessen welchen Wein Sie kaufen sollten? Falls ja, warum? Die Vortragenden werden die Wahrnehmung von Zurate-Ziehenden von Mundpropaganda erläutern, indem sie Evidenz aus einer Kombination von realen Daten und experimentellen Studien erbringen.

„Wirecard ist kein Einzelfall: Warum Manager in Bilanzen betrügen, wie sie dabei vorgehen und wie gute Regulierung aussehen kann“ von Prof. Dr. Bischof (auf Deutsch)

23.11.2020, 17:15 - 18:15 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung folgt

Wenn Unternehmen mit ihren Bilanzen öffentlich Bericht erstatten, hat dies erhebliche Auswirkungen an Kapitalmärkten. Für Manager bestehen daher erhebliche Anreize, die in den Bilanzen berichteten Werte in ihrem eigenen Sinne zu beeinflussen. In den meisten Fällen geschieht dies in einem ganz legalen Rahmen, in Einzelfällen werden rechtliche Grenzen überschritten und kriminelle Energie kommt ins Spiel. Solche Bilanzskandale sind ein wiederkehrendes Phänomen. In Deutschland machten zuletzt die manipulierten Bilanzen des Dax-Konzerns Wirecard Schlagzeilen. Auch wenn jeder Skandal einzigartig ist, gibt es systematische Muster darin, wie Manager bei der Manipulation von Bilanzen vorgehen und wie Politik oder Regulierungs­behörden darauf reagieren. Der Vortrag ordnet den Fall Wirecard in diese Geschichte ein und erläutert anhand der aktuellen Vorgänge, wie Bilanzbetrug entdeckt und unterbunden werden kann – und welche Risiken für Kapital­markt­teilnehmer verbleiben.

„Steuerräuber im Nadelstreifenanzug: Cum/Ex, Cum/Cum, und Cum/Fake“ von Prof. Dr. Spengel (auf Deutsch)

2.12.2020, 19:30 - 20:30 Uhr, Link zur Online-Veranstaltung

Cum/Ex-Geschäfte mit Leerverkauf bezweckten eine mehrfache Erstattung von nur einmal gezahlter Kapitalertragsteuer. Das war illegal und ist mittlerweile Gegenstand zahlreicher staats­anwaltschaft­licher Ermittlungs­verfahren. Cum/Cum-Geschäfte dagegen umgehen die beschränkte Steuerpflicht von Dividenden in Deutschland. Per se ist diese Form des Dividendenstripping nicht illegal, es ist allerdings zu prüfen, ob diese Geschäfte im Einzelfall anzuerkennen sind. Das rückwirkende Aufgreifen bereits getätigter Cum/Ex-Geschäfte mit Leerverkauf und von Cum/Cum-Geschäften durch die Finanzverwaltung ist nicht transparent. Der Steuerschaden, der der Bundes­republik Deutschland aus solchen Aktientransaktionen entstanden ist, ist immens, er liegt im hohen zweistelligen Milliarden­bereich. Der Vortrag beleuchtet die Situation und zeigt ein Kollektivversagen der gesetzgeberisch verantwortlichen Akteure auf.