Wahrnehmung und Reaktion durch Bürger auf institutionelle Rahmenbedingungen in der öffentlichen Leistungs­erbringung

Dieses Forschungs­programm unter­sucht die Frage, wie die institutionelle Gestaltung öffentlicher Dienstleistungen die Interaktion zwischen Staat und Bürger beeinflusst. Verankert in der Publicness Theorie betrachten die Projekte „Publicness“ nicht lediglich als Gegensatz von öffentlicher und privater Eigentümerschaft. Stattdessen wird das Konzept als ein mehrdimensionales Konstrukt verstanden, das maßgeblich durch die Dimensionen Eigentum, Finanzierung sowie den Grad der Wahl­möglichkeiten oder des Wettbewerbs definiert wird. Auf der Mikroebene analysieren wir, wie diese institutionellen Merkmale die Wahrnehmung der Bürger sowohl hinsichtlich produktivitätsbezogener als auch normativer Werte prägen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Unter­suchung, inwieweit der „Public Sector Bias“ und spezifische Formen der Leistungs­erbringung die Reaktion auf Leistungs­defizite bestimmen. Dabei steht insbesondere im Fokus, wie stark Bürger ihre Meinung äußern (Voice) oder den Anbieter wechseln (Exit). Durch die Analyse kognitiver Mechanismen wird zudem geprüft, ob diese Reaktionen auf einer Anpassung von Über­zeugungen (Belief Updating) beruhen oder durch eine motivierte Bestätigung (Motivated Reasoning) getrieben sind. Methodisch basieren die Arbeiten auf verhaltens­wissenschaft­lichen Forschungs­designs, wobei vor allem faktorielle Survey-Experimente mit Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland zum Einsatz kommen.