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IMU Frühjahrstagung 2016

Veränderungen durch Digitalisierungen

Am 17. März 2016 lud das Mannheimer Institut für Markt­orientierte­Unternehmens­führung (IMU) zu seiner jährlichen Frühjahrstagung zum Thema „Markt­orientierte Unternehmens­führung im Zeitalter der Digitalisierung“ ein. Im Mittelpunkt stand dabei der rege Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft.

MANNHEIM. Am vergangenen Donnerstag fanden sich Vertreter verschiedenster Unternehmen sowie Forscher von Universitäten aus Deutschland und der Schweiz im Rittersaal des Mannheimer Schlosses ein, um über Digitalisierung zu diskutieren. Doch was bedeutet Digitalisierung? Digitalisierung beschreibt den Wandel in der Technik und im Alltag, der durch die zunehmende Verbreitung von Informations­technologien stattfindet.

Zur Eröffnung der Veranstaltung begrüßten Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christian Homburg und Prof. Dr. Sabine Kuester, Professoren für Marketing an der Universität Mannheim und Direktoren des IMU, die Teilnehmer der diesjährigen IMU Frühjahrstagung. Sie betonen im Rahmen der Einführung in das Tagungs­thema, dass sich durch Digitalisierung viele Chancen beispielsweise in Form neuer Geschäfts­modelle und im Kunden­management ergeben, wie auch die Referenten im Verlauf des Tages zeigen sollten.

Prof. Dr. Bernd Skiera von der Goethe-Universität Frankfurt veranschaulicht als erster Referent mit seinem Projekt „Wettbewerbsanalyse im Zeitalter der Digitalisierung“ dem Publikum vor allem, dass Daten in der heutigen Zeit immer wichtiger werden. Die Frage, welche Daten und Datenquellen ausgewertet werden müssen, können nur Technik und Wirtschafts­wissenschaften gemeinsam in einem kreativen Denkprozess beantworten. Dabei ist nicht nur Expertise aus der Wissenschaft gefragt, sondern auch ganz gezielt Branchenexpertise notwendig. Er fordert daher Theoretiker und Praktiker auf, Hand in Hand zu arbeiten.

Der nächste Referent, Herr Stefan Hentschel, Industry Leader Tech-Industrial bei der Google Germany GmbH, schließt sich seinem Vorredner an. Digital ist die neue Norm(alität), schreibt er sich auf die Fahne. Der Übergang zwischen online und offline ist heutzutage fließend, was sich beispielsweise an der Dauererreichbarkeit und dem „always-online“ Trend mit dem Smartphone beobachten lässt. Herr Hentschel zieht den Vergleich mit der Evolution, um die Wichtigkeit der digitalen Transformation zu betonen. Unternehmen werden aus seiner Sicht keine 500 Jahre Zeit haben, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Digitale Transformation sei darüber hinaus mehr als nur eine IT Transformation, sie umfasst vielmehr den Kunden­fokus, das Geschäfts­modell, die Organisation selbst, das Kunden­erlebnis, erstreckt sich über alle Kanäle und spiegelt sich auch in der IT wider. Digitale Transformation sollte daher Chefsache sein, andernfalls kann der Wandel nicht gelingen. Auch Herr Alexander Dechent, Leiter Digital-Vertrieb und –Marketing bei der R+V Allgemeine Versicherung AG, bestätigt, dass wir uns bereits in Zeiten des Wandels befinden.

Versicherungs­vertrieb heute erfolgt sowohl digital als auch persönlich. Die technischen Entwicklungen haben auch dazu geführt, dass sich die Kunden­bedürfnisse in der Versicherungs­branche verändert haben. Die Bedürfnisse der einzelnen Kunden und ihre Einstellung zu digitalen Medien sind jedoch je nach Kunden­segment sehr unterschiedlich. Herr Dechent betont in seinem Vortrag, wie wichtig Segmentierung ist. Daher geht die R+V Versicherung mit differenzierten Angeboten auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden­segmente ein. Digitalisierung ist somit beides: Herausforderung und Chance. Für die Herausforderung Digitalisierung ist die R+V Versicherung gut gewappnet mit ihren digitalen Kontaktpunkten und wird die Chance nutzen, den derzeitigen Wandel in der Versicherungs­branche mitzugestalten.

Den Anfang der Nachmittagsrunde macht Herr Luka Mucic, Finanzvorstand und Chief Operating Officer der SAP SE. Er referiert zum Thema „digitale Transformation aus Sicht der Unternehmen und ihrer Kunden“ und stellt die Wichtigkeit integrierter Lösungen wie beispielweise der Cloud-Technologie in Verbindung mit Digitalisierung, Konnektivität und Big Data heraus. Solche Technologien bieten Chancen, die Komplexität zu reduzieren, die mit der immer „smarteren“ Welt verbunden ist. Er stellt die SAP-Lösung Digital Board Room vor, eine Dashboard-Lösung für die Finanzabteilung, die es SAP selbst und anderen Unternehmen ermöglicht, die Finanzdaten sogar im Live-System zu verfolgen und damit Abweichungen von der Pipeline sowie die Profitabilität in Echtzeit zu beobachten und zu analysieren. Digitalisierung wird die reale Welt nicht ablösen, aber sie bietet die Möglichkeit, die reale Welt anzureichern.

Für Ralf W. Dieter, Vorsitzender des Vorstandes der Dürr AG, ist Digitalisierung kein neues Phänomen. Bereits seit Jahren wird das Thema im Konzern unter dem Schirm von Industrie 4.0 und digital@Dürr sehr ernst genommen. Dabei setzt die Dürr AG den Fokus vor allem auf die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion und auf das Tracking und die Analyse von Daten. Besonders beeindruckend ist die Demonstration der „Smart Products“, wie Dürr sie nennt. Hier zeigt Herr Dieter dem Publikum, wie eine Anlage virtuell in Betrieb genommen werden kann und wie auch mobile Endgeräte auf dem Shop Floor zum Einsatz kommen. Erfolgsfaktoren für Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sind einerseits die Offenheit gegenüber neuen Möglichkeiten, andererseits die Abwägung von Nutzen und Aufwand der Realisierung. Dabei brauchen Unternehmen, besonders in Deutschland, klar definierte Spielregeln beispielsweise im Bereich Datenerhebung, –eigentum und –verarbeitung, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Die Veranstaltung klang bei einem Get Together nach der Verabschiedung durch Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christian Homburg und Prof. Dr. Sabine Kuester aus. Prof. Homburg zieht ein
positives Fazit zur diesjährigen Frühjahrstagung: „Wir freuen uns über die positive Resonanz zur Veranstaltung, insbesondere über die signifikant steigende Teilnehmerzahl und den regen Austausch bei den Paneldiskussionen. Dies zeigt wie relevant unser Tagungs­thema sowohl für Praxis als auch Wissenschaft ist.“

Die Frühjahrstagung 2016 des Mannheimer Instituts für Markt­orientierte Unternehmens­führung unter dem Titel „Markt­orientierte Unternehmens­führung im Zeitalter der Digitalisierung“ fand am Donnerstag, den 17. März 2016, im Rittersaal des Mannheimer Schlosses statt. Insgesamt trafen 180 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis zusammen, die an aktuellen Fragestellungen des Marketing und Vertriebs interessiert sind.

Die nächste IMU Frühjahrstagung wird am 30. März 2017 in Mannheim stattfinden.