Nachhaltigkeit braucht mehr als kleine Schritte

08.07.2026

Unter­nehmen investieren heute Milliarden in Nachhaltigkeit. Doch welche Maßnahmen überzeugen Verbraucher wirklich? 

Eine aktuelle Studie des Forscher­teams um Prof. Dr. Sabine Kuester (Universität Mannheim), Dr. Angeliki Kalogeraki (SharkNinja Germany GmbH) und Prof. Dr. Ludwig Bstieler (University of New Hampshire) zeigt: Nicht jede nachhaltige Produktinnovation wird von Konsumenten gleich­ermaßen honoriert.

Die im Journal of Product Innovation Management veröffentlichte Studie unter­sucht, wie Verbraucher auf unter­schiedliche Arten nachhaltiger Produktinnovationen reagieren. Dabei unter­scheiden die Autoren zwischen inkrementellen Innovationen, die bestehende Produkte beispielsweise durch bessere Recycelbarkeit oder höhere Ressourceneffizienz verbessern, und radikalen Innovationen, die auf neuen Technologien beruhen und Nachhaltigkeit grundlegend neu denken.

Zentrale Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass radikale nachhaltige Innovationen deutlich positivere Reaktionen hervorrufen. Verbraucher zeigen eine höhere Kaufabsicht, eine höhere Zahlungs­bereitschaft und bewerten auch das Unter­nehmen selbst positiver. Der Grund dafür liegt nicht allein in der Innovation selbst, sondern in den Motiven, die Konsumenten dem Unter­nehmen zuschreiben.

„Verbraucher akzeptieren grundsätzlich, dass Unter­nehmen Gewinne erzielen möchten“, erklärt Prof. Dr. Sabine Kuester. „Entscheidend ist jedoch, ob sie zusätzlich den Eindruck gewinnen, dass ein Unter­nehmen aus einer echten Über­zeugung heraus handelt und Nachhaltigkeit ernst nimmt.“

Unter­schiede zwischen radikalen und inkrementellen Innovationen

Radikale Neuerungen werden von Konsumenten häufiger als Ausdruck eines authentischen Nachhaltigkeits­engagements wahrgenommen. Inkrementelle Verbesserungen werden dagegen eher als Reaktion auf Markt­anforderungen oder regulatorische Vorgaben interpretiert. Profitstreben wird dabei in beiden Fällen als selbstverständlich angesehen. Für den Erfolg nachhaltiger Innovationen ist daher nicht das Fehlen ökonomischer Interessen ausschlaggebend, sondern die zusätzliche Wahrnehmung glaubwürdiger ökologischer Motive.

Besonders stark fallen diese Effekte bei Unter­nehmen aus, die bereits über eine positive Nachhaltigkeits­reputation verfügen. In diesem Fall interpretieren Verbraucher radikale Innovationen noch stärker als Ausdruck eines langfristigen und glaubwürdigen Engagements für Nachhaltigkeit.

Implikationen

Bemerkenswert ist dabei die breite Über­tragbarkeit der Ergebnisse. Die Forscher konnten die Effekte sowohl bei technologieintensiven Produkten wie Smartphones und Waschmaschinen als auch bei einfachen Konsumgütern nachweisen. Das zugrunde liegende psychologische Muster erwies sich über verschiedene Produktkategorien hinweg als erstaunlich stabil.

Für Unter­nehmen ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Nachhaltigkeit zahlt sich besonders dann aus, wenn sie mit echten technologischen Fortschritten und einer glaubwürdigen Nachhaltigkeits­strategie verbunden wird. Verbraucher honorieren nicht nur nachhaltige Produkte, sondern vor allem die Über­zeugung, die sie hinter diesen Innovationen erkennen.

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