Neue Transparenzregeln, bestehende Herausforderungen: Wie deutsche Unternehmen auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie blicken

Diesen Fragen widmet sich der aktuelle „GBP-Monitor: Unternehmenstrends im Juli 2026“ des German Business Panel (GBP) an der Universität Mannheim, einer monatlichen Befragung, die aktuelle Unternehmenstrends und wirtschaftliche Erwartungen deutscher Unternehmen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine Mehrheit der Unternehmen noch in einer frühen Phase der Vorbereitung befindet.
„Viele Unternehmen verbinden die Richtlinie zunächst mit zusätzlichen Dokumentationspflichten. Dass daraus tatsächlich mehr Lohngerechtigkeit entsteht, erwarten bislang nur wenige. Das zeigt, dass die Ziele der Richtlinie in der Unternehmenspraxis noch nicht angekommen sind“, sagt Prof. Dr. Jannis Bischof, wissenschaftlicher Projektleiter des German Business Panel.
Was Unternehmen von der Richtlinie erwarten
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verfolgt ein klares Ziel: Frauen und Männer sollen für gleichwertige Arbeit gleich bezahlt werden. Dafür müssen Unternehmen künftig mehr Informationen über ihre Vergütungsstrukturen bereitstellen und mögliche geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede besser erkennen können.
Gehaltsstrukturen in Deutschland sind häufig nicht oder nur teilweise standardisiert und werden vielfach weder intern noch extern umfassend kommuniziert. Besonders bei kleineren Unternehmen ist dies der Fall. Sie verfügen tendenziell über weniger etablierte Vergütungsstrukturen und haben sich gleichzeitig bislang seltener mit den neuen Anforderungen auseinandergesetzt.
„Die Bereitschaft, bestehende Gehaltsstrukturen kritisch zu überprüfen, konzentriert sich nicht unbedingt auf die Branchen mit dem größten Handlungsbedarf. Gerade dort, wo die Unterschiede besonders ausgeprägt sind, sehen wir bislang nur wenig zusätzliche Aktivität“, ordnet GBP-Projektleiter Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar die Ergebnisse ein.
Zu den erwarteten Veränderungen gehören insbesondere eine stärkere Dokumentation und eine stärkere Standardisierung von Gehaltsstrukturen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einem höheren administrativen Aufwand, während nur ein kleiner Anteil erwartet, dass die Richtlinie zu einer Verringerung geschlechtsspezifischer Entgeltunterschiede beitragen wird.
Einschätzungen der Unternehmen hängen mit wirtschaftspolitischer Wahrnehmung zusammen
Wie Unternehmen die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bewerten, hängt nicht nur von ihren konkreten Anforderungen ab. Der GBP-Monitor zeigt, dass auch die allgemeine Wahrnehmung der Wirtschaftspolitik eine wichtige Rolle spielt.
Unternehmen, die mit der aktuellen Wirtschaftspolitik zufriedener sind, bewerten die Richtlinie tendenziell positiver. Unternehmen, die Wirtschaftspolitik dagegen vor allem mit zusätzlicher Bürokratie und wirtschaftlichen Belastungen verbinden, stehen den neuen Regelungen kritischer gegenüber.
Von Transparenz zu wirkungsvollen Veränderungen
Die Ergebnisse des German Business Panel verdeutlichen eine zentrale Herausforderung: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie schafft neue Möglichkeiten, Vergütungsstrukturen transparenter zu machen. Ob dies letztlich zu mehr Lohngerechtigkeit beiträgt, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie Unternehmen die neuen Anforderungen in der Praxis umsetzen und nutzen.
Der aktuelle „GBP-Monitor: Unternehmenstrends im Juli 2026“ gibt weitere Einblicke in die Faktoren, die die Einschätzungen der Unternehmen prägen, wie Unternehmen auf die neuen Anforderungen reagieren und wie sich die Einschätzungen zwischen Unternehmensgruppen unterscheiden.
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