Betriebsvermögen in der Erbschaftsteuer: Was spricht für Ausnahmen – und was dagegen?

In einem Beitrag im ifo Schnelldienst beleuchten Prof. Dr. Philipp Dörrenberg, Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universität Mannheim, und Prof. Dr. Dominika Langenmayr, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die wichtigsten Argumente für und gegen bestehende Begünstigungen und zeigen, welche ökonomischen Zielkonflikte sich daraus ergeben.
Ausgangspunkt: Ein stark begünstigend System
Ausgangspunkt ist das derzeitige System in Deutschland, in dem Betriebsvermögen unter bestimmten Voraussetzungen weitgehend steuerlich begünstigt wird. Die Autor*innen zeigen, dass insbesondere große Vermögensübertragungen von diesen Regelungen profitieren.
Gleichzeitig diskutieren sie die zentralen Argumente für diese Ausnahmen: Steuervergünstigungen können dazu beitragen, die Fortführung von Unternehmen zu erleichtern, Arbeitsplätze zu sichern und Investitionen zu fördern.
Zielkonflikte und Kritik
Demgegenüber stehen jedoch gewichtige Gegenargumente. Empirische Studien deuten darauf hin, dass die bestehenden Regelungen unternehmerische Entscheidungen verzerren, etwa indem sie die Weitergabe von Unternehmen innerhalb der Familie begünstigen, auch wenn externe Nachfolger möglicherweise effizienter wären.
Zudem regen die steuerlichen Vorteile strategisches Verhalten an, beispielsweise das gezielte Vorziehen von Schenkungen und Anpassungen der Unternehmensstruktur, um von Begünstigungen zu profitieren. Diese Effekte führen laut den Autoren zu Ineffizienzen und werfen Fragen hinsichtlich der Fairness des Systems auf.
Reformüberlegungen
Vor diesem Hintergrund diskutieren Dörrenberg und Langenmayr mögliche Reformoptionen.
Sie argumentieren, dass ein System ohne spezielle Ausnahmen für Betriebsvermögen denkbar wäre, kombiniert mit:
- einem einheitlichen, niedrigeren Steuersatz;
- großzügigeren und flexibleren Stundungsregelungen.
Ziel wäre ein einfacheres, transparenteres und weniger verzerrendes Steuersystem, das gleichzeitig negative Effekte, etwa auf Investitionen, abfedert.
- Wer tiefer in die Analyse von Dörrenberg und Langenmayr einsteigen möchte, kann den vollständigen Artikel direkt im ifo Schnelldienst nachlesen.
- Der Beitrag ist Teil einer breiteren wirtschaftspolitischen Diskussion zur Reform der Erbschaftsteuer und bietet fundierte Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse.