Warum Marken nicht nur in Suchmaschinen, sondern auch für KI sichtbar sein müssen

Über Jahrzehnte folgte digitale Sichtbarkeit einer vertrauten Logik: Unter­nehmen, die in Suchmaschinen gut platz­iert waren, gewannen Besucher*innen, erzielten Klicks und steigerten ihren Umsatz. Dieses Modell verändert sich jedoch rasant. Immer mehr Menschen nutzen generative KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, um Empfehlungen einzuholen und Entscheidungen zu treffen. Für Unter­nehmen bedeutet das: Marken müssen künftig nicht nur in Suchergebnissen erscheinen, sondern auch in KI-generierten Antworten präsent sein.

In einem aktuellen Beitrag für den Harvard Business Manager zeigen Prof. Dr. Florian Stahl, Professor für Marketing an der Universität Mannheim, gemeinsam mit Dr. Andreas Hamann, Postdoktorand im Bereich Quanti­tatives Marketing, sowie Jürgen Rösger, Gründer und Geschäfts­führer der Interactive Marketing Group und von Contentpass, wie Unter­nehmen ihre Marken­strategie an diese neue Realität anpassen können. Die Autoren argumentieren, dass künstliche Intelligenz (KI) die Art und Weise, wie Kund*innen Produkte und Dienstleistungen entdecken, grundlegend verändert – und damit auch, welche Marken überhaupt empfohlen werden.

Von Suchmaschinen-Rankings zu KI-Empfehlungen

Generative KI verändert die Customer Journey. Anstatt mehrere Suchergebnisse zu vergleichen, erhalten Nutzer*innen zunehmend eine einzige, zusammengefasste Antwort. Dadurch hängt Sichtbarkeit nicht mehr allein von guten Platz­ierungen in Suchmaschinen ab. Marken, die in den Informations­quellen fehlen, auf die KI-Modelle zurückgreifen, laufen Gefahr, bereits in einer frühen Phase der Kaufentscheidung unsichtbar zu werden.

Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für Unter­nehmen. Die Autoren weisen darauf hin, dass Firmen ihre Websites bislang vor allem für menschliche Besucher und Suchmaschinen optimiert haben. Künftig müssen sie jedoch auch berücksichtigen, wie KI-Systeme ihre Marke interpretieren und darstellen.

IKEA als Beispiel

Das Potenzial dieser Entwicklung veranschaulicht der Artikel anhand des Beispiels IKEA. Als das Unter­nehmen seine digitalen Aufbauanleitungen überarbeitete, wollte es zunächst Kunden­anfragen reduzieren, indem die Anleitungen verständlicher gestaltet wurden. Schon bald ging IKEA einen Schritt weiter und strukturierte die Inhalte so, dass sie auch von generativen KI-Systemen zuverlässig verarbeitet werden konnten.

Durch die Standardisierung von Begriffen, einheitliche Prozess­logiken und maschinenlesbare Formate machte IKEA seine Informationen für KI-Modelle leichter zugänglich. Nach Angaben der Autoren führte dies dazu, dass die Marke deutlich häufiger in KI-generierten Empfehlungen zu Themen wie Wohnen, Do-it-yourself oder Geschenkideen erschien.

Das Beispiel verdeutlicht einen grundlegenden Wandel: Unter­nehmen konkurrieren nicht mehr ausschließlich um Sichtbarkeit in Suchmaschinen, sondern zunehmend um Relevanz innerhalb KI-generierter Antworten.

Vier Prinzipien für Markenrelevanz im KI-Zeitalter

Auf Grundlage aktueller Markt­entwicklungen und empirischer Forschung identifizieren die Autoren vier Prinzipien, die darüber entscheiden, ob Marken von KI-Systemen korrekt repräsentiert und empfohlen werden:

  • Vertrauen: Vertrauen entsteht durch qualitativ hochwertige, konsistente und verlässliche Unter­nehmens­daten und nicht allein durch Markenbekanntheit.
  • Sichtbarkeit: Unter­nehmen müssen sicherstellen, dass aktuelle und strukturierte Informationen im offenen Web verfügbar sind, damit KI-Modelle darauf zugreifen können.
  • Autorität: Eine klar definierte und konsistente thematische Positionierung erleichtert es KI-Systemen, die Marke richtig einzuordnen.
  • Affinität: Ein konsistenter Tonfall sorgt dafür, dass KI-generierte Beschreibungen die Identität einer Marke authentisch widerspiegeln.

Gemeinsam zeigen diese Prinzipien, dass erfolgreiche Markenführung zunehmend davon abhängt, strukturierte Informationen ebenso sorgfältig zu pflegen wie die klassische Marketingkommunikation.

Eine strategische Herausforderung für Führungs­kräfte

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass KI nicht länger lediglich als Marketinginstrument betrachtet werden sollte, sondern als strategische Infrastruktur. Da KI-Systeme die Interaktion zwischen Unter­nehmen und Kundschaft immer stärker vermitteln, müssen Organisationen verstehen, wie ihre Marken in diesen Systemen repräsentiert werden und diese Darstellung aktiv steuern.

Für Führungs­kräfte lautet die zentrale Frage daher nicht mehr nur, wie sich die Online-Sichtbarkeit verbessern lässt. Entscheidend ist vielmehr, wie Unter­nehmen sicherstellen können, dass ihre Marke in einer KI-getriebenen Welt relevant bleibt – einer Welt, in der Empfehlungen zunehmend von Maschinen statt von Suchmaschinen erzeugt werden.

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