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Prof. Dr. Johannes Voget Foto: Siegfried Herrmann

„Die globale Mindest­steuer für Konzerne sorgt für mehr Fairness“

An diesem Wochenende entscheiden die Wirtschafts­ministerinnen und -minister der G20-Länder über die Einführung der globalen Mindest­steuer für Konzerne. Der Mannheimer Steuerexperte Prof. Dr. Johannes Voget erläutert die Hintergründe des Vorhabens und erklärt, was die Reform für die deutsche Wirtschaft bedeutet.

Professor Voget, Anfang Juli haben sich 130 Länder geeinigt, Unternehmen weltweit mit einem Mindest­satz von 15 Prozent zu besteuern. Was halten Sie von dem Vorhaben?
Ich sehe das positiv. Bisher ist es für multinationale Konzerne äußerst lohnend, Gewinne in Länder zu verschieben, in denen sie wenig oder gar keine Steuern zahlen. Die Unternehmens­teile in Ländern mit höheren Steuern werden auf diese Weise künstlich unprofitabel gehalten, so dass dort weniger Steuern anfallen. Durch eine weltweite Mindest­besteuerung wird dieser Trick zwar nicht komplett abgeschafft, aber er wird deutlich weniger attraktiv. Mehr Gewinn wird in den Unternehmens­teilen verbleiben, die tatsächlich zum Gewinn beitragen und die Steuereinnahmen gehen nicht mehr verloren. Das sorgt für mehr Fairness.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn konkurrierende Länder nicht mehr mit Steuersätzen unter 15 Prozent locken können, dann sinkt auch der Druck, Unternehmens­steuern immer weiter senken zu müssen, wie das in den letzten 25 Jahren der Fall war. Die Länder erhalten so wieder mehr Spielraum, Steuern auf einem etwas höheren Niveau zu belassen, ohne dass Firmen abwandern.

Zurzeit läuft das G-20 Treffen in Venedig. Wie schätzen Sie die Chancen, dass die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer grünes Licht für die Reform geben?
Es ist noch lange nicht klar, ob das Vorhaben erfolgreich umgesetzt wird. Viele wichtige Details müssen noch festgezurrt werden und es wird sich zeigen, ob alle Länder die Pläne tatsächlich auch umsetzen. In den USA kommen internationale Abkommen nicht selten im Gesetzgebungs­verfahren unter die Räder. Auch kleineren EU-Ländern wie Irland oder Ungarn, die derzeit mit niedrigen Steuersätzen punkten, muss die Umsetzung abgerungen werden. 

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