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Ein Pionier der Nachhaltigkeitsforschung

Professor Dr. Gert von Kortzfleisch wäre am 3. August 2021 100 Jahre alt geworden

Die Nachhaltigkeitsdiskussion treibt Wirtschaft und Gesellschaft aktuell um wie kaum ein anderes Thema. Einer der ersten Forscher, der sich mit den Problemen des Umweltschutzes aufgrund des starken Anstieg des Verbrauchs natürlicher Ressourcen beschäftigte, wurde heute vor 100 Jahren geboren: Professor Dr. Gert Harald August von Kortzfleisch, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, Mitglied des Club of Rome und Ehrenritter des Johanniterordens.

Gert v. Kortzfleisch studierte nach fünfjähriger sowjetischer Kriegsgefangenschaft Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln, wo er auch promovierte und sich habilitierte. 1962 folgte er einem Ruf an die damalige Wirtschaftshochschule Mannheim, wo er als Direktor des Industrieseminars sowie des angeschlossenen Instituts für Chemische und Physikalische Technologie und auch als Direktor des Instituts für Mittelstandsforschung bis zu seiner Emeritierung 1990 wirkte.

Wissenschaftlich befasste sich v. Kortzfleisch u.a. mit der Forschung und Entwicklung, dem technischen Fortschritt und der Planung in industriellen Unternehmen; früh griff er sozio-ökologische Fragen auf, etwa den Zusammenhang von technischem Fortschritt und Lebensqualität oder der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen, so in dem Aufsatz „Ökonomische Konsequenzen von Langzeitautos“. Quantitativen Methoden, wie der Linearen Optimierung und der Computersimulation komplexer Modelle widmete er sich dabei intensiv. Von einem Aufenthalt in den USA am Massachusetts Institute of Technology und seiner dortigen Zusammenarbeit mit Jay W. Forrester brachte er das Gedankengut der Systemdynamik (System Dynamics) nach Deutschland und machte Mannheim zu einem Zentrum in Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Dynamik komplexer Systeme. Gert v. Kortzfleisch war maßgeblich an der Einrichtung des Forschungsprojektes des Club of Rome am M.I.T. 1970/71 beteiligt, aus dem u. a. die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ hervorging.

Gert v. Kortzfleisch hat sich vielfach in der akademischen Selbstverwaltung engagiert, er war mehrfach Dekan, war Rektor sowie Prorektor. Wichtige Entscheidungen zur Umbenennung in Universität Mannheim wurden während seines Rektorats getroffen. Als Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. initiierte er die Einrichtung der Wissenschaftlichen Kommissionen, in denen die wissenschaftlichen Aktivitäten des Verbandes und seiner Mitglieder erfolgen, und er leitete den mit wichtigen Entscheidungen betrauten „Strukturausschuss“ des VHB. Er war unter Anderem Mitglied des Kuratoriums der damaligen Staatlichen Ingenieurschule Mannheim, sowie Vorsitzender des Kuratoriums der Studenteninitiative Club of Rome (SICoR).

In den Geleitworten zu den insgesamt fünf Festschriften für Gert v. Kortzfleisch wurde dessen Leben und Wirken ausführlich gewürdigt. Ihm zum Gedenken vergibt die Deutsche Gesellschaft für System Dynamics alljährlich den Gert-v-Kortzfleisch-Preis für herausragende System-Dynamics-Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum.

Gert v. Kortzfleisch verstarb am 16. Oktober 2007 im Alter von 86 Jahren in Mannheim.

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